Position des BDRG zu einer bundesweiten Stallpflicht

Der Bund Deutschen Rassegeflügelzüchter lehnt eine bundesweite Aufstallung ab und fordert eine Fortsetzung der risikoorientierten Aufstallung durch die Länder.

Die Aufstallung des Rasse- und Ziergeflügels bedeutet nicht einfach Aufstallen, sondern für 30-50% der gesunden Tiere die Tötung. Viele dieser Tiere stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Für die Rassegeflügelzüchter ist die artgerechte Freilandhaltung für die Erhaltungszucht der alten Rassen und die Produktion von Fleisch und Eiern mit Zweinutzungsrassen für den Eigenbedarf die einzige Haltungsform. Die Tiere werden daher in Ausläufen mit Ställen, die <div“>nur der Übernachtung dienen, gehalten. Fast alle Züchter können ihre Tiere in diesen Ställen nicht unterbringen und müssen einen großen Teil töten. Die verblieben müssen in für Rasse- und Ziergeflügel viel zu kleinen Ställen untergebracht werden. Die Erfahrungen früherer Aufstallungen haben gezeigt, dass während der Zeit der Aufstallung nochmals viele Tiere vor allem des Groß-, Wasser- und Ziergeflügels durch die reine Stallhaltung verenden oder durch die Halter getötet werden, da Geflügel, das einen Großteil seines Lebens in Freilandhaltung verbracht hat, für die Halter sichtbar leidet.

Die Schere zwischen den modernen Wirtschaftsrassen und den alten Geflügelrassen hat sich nicht nur im Hinblick auf die Lege- und Fleischleistung weit geöffnet, sondern genauso weit auch beim Verhalten und Temperament der Tiere. Ein Zuchtziel der Wirtschaftsrassen war eine Verhaltensänderung, damit die Tiere im Stall auf engem Raum gehalten werden können. Besonders die alte Geflügelrassen, bei denen es sich noch um Zweinutzungsrassen handelt, stehen im Gegensatz zum Wirtschaftsgeflügel den Wildformen sehr nahe. So sind z.B. Rangkämpfe viel ausgeprägter. Hinzu kommt, dass das Rassegeflügel mit seinem agilen Bewegungsdrang nur die Freilandhaltung kennt. Diese Faktoren bedeuten für eingestalltes Rassegeflügel einen großen Stress und führen zu einer Immunsuppression. Selbst bei einer peinlichen Hygiene kommt es bei der Aufstallung zu einer Konzentration der Erreger, was gemeinsam mit der Immunsuppression zu häufigen Todesfällen kommt.

Das große Problem einer bundesweiten Aufstallung sehen wir vor allem auch im Ausstiegszenario. Ein Ausstieg kann durch die Größe und geographischen Gegebenheiten der Bundesrepublik sehr unterschiedlich erfolgen.
Es ist aus den oben genannten Gründen für unsere Zuchten sehr wichtig, dass ein risikoorientierter Ausstieg in den einzelnen Regionen und Ländern möglichst rasch vollzogen werden kann und risikoarme Regionen keine Stallpflicht verhängen müssen.
Dr. Michael Götz,

Beauftragter für Tier- und Artenschutz im BDRG